Auf den Rettungsdienst zu warten kann tödlich sein

Article du 28.4.2022

Bei einem Herzkreislaufstillstand zählt jede Minute. Ohne rasche Erste Hilfe kommt der Rettungsdienst meist zu spät. Schweizweit entwickeln sich deshalb unterschiedliche First Responder Systeme, die jeden Bürger und jede Bürgerin zu Lebensrettern machen können. Wir geben einen Überblick über diese Systeme.

In der Schweiz braucht der Rettungsdienst im Schnitt etwa zehn bis 15 Minuten, um nach der Alarmierung an einem Einsatzort einzutreffen. In manchen Fällen, zum Beispiel bei einem Herzkreislaufstillstand, ist das schlicht zu lange. Hier kann der Rettungsdienst schon nach zehn Minuten oft nur noch den Tod feststellen. 

Zeit statt Titel

Dabei wäre häufig ein Ersthelfer in der Nähe gewesen, der schneller hätte helfen können, vom Notfall aber nichts wusste. Deshalb entwickeln sich in letzter Zeit sogenannte First Responder Systeme. Die Idee: während der Rettungsdienst noch unterwegs ist, können registrierte Ersthelfer in der unmittelbaren Umgebung via App aufgeboten werden und Erste Hilfe leisten. 

Je dichter das Netz aus Menschen ist, die reanimieren können, desto höher ist die Überlebensrate. Der Zeitfaktor ist massgebend, nicht der Titel. Um sich als First Responder registrieren zu können, muss man dennoch gewisse Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört vor allem eine BLS-AED-Ausbildung, also ein Kurs rund um den Basic Life Support und die Anwendung eines Defibrillators. 

Vom Kanton Tessin bis (fast) in die ganze Schweiz

In vielen Kantonen der Schweiz gibt es heute solche Systeme. Teilweise sind sie kantonal organisiert, manchmal aber auch bloss lokal und regional. Pionierarbeit leistete der Kanton Tessin. Hier überleben rund 50 Prozent der Betroffenen mit Kammerflimmern ihren Herzkreislaufstillstand. 

Das Tessiner System funktioniert so: Das Personal der Notrufzentrale wurde intensiv für die ‘Telefon-Reanimation’ geschult. Mehr als jeder vierte Tessiner ist inzwischen BLS-AED-geschult, auch weil der Kurs systematisch in die Grundschule gebracht wurde. Die Stiftung Ticino Cuore hat Defibrillatoren eingekauft und ein dichtes Netz an öffentlich zugänglichen Geräten gespannt. Ausserdem hat die Stiftung alle Blaulicht-Organisationen inklusive der grenznahen italienischen Polizei mit Defibrillatoren ausgerüstet und geschult. Sie werden im Notfall via App alarmiert, genauso wie einige Tausend registrierte Bürger mit absolviertem BLS-AED-Kurs. Bürgerinnen und Bürger haben zwar keinen Defibrillator dabei, aber sie können ein öffentlich zugängliches Gerät nutzen. Davon gibt es mittlerweile ebenfalls eine ganze Menge.

Weitere Kantone folgten. Im Kanton Bern gibt es ein System, das auch in der Peripherie gut funktioniert. Der Zeitraum, bis professionelle Rettungskräfte eintreffen, ist dort nämlich noch grösser als im Durchschnitt. Andere Kantone nutzen teilweise ähnliche Ansätze wie die Kantone Tessin oder Bern, teilweise aber auch andere. In der Stadt Zürich wird inzwischen die Stadtpolizei als First Responder involviert. Sie ist meist früher vor Ort als der Rettungsdienst und kann mit der Reanimation beginnen. Das Resultat: Die Überlebensrate verdoppelte sich innert Kürze.

First Responder Systeme in der Schweiz

In welchem Kanton sind Sie zu Hause? Gerne stellen wir Ihnen anbei die passenden Links zu Ihrem passenden First Responder System zusammen:

Kanton Link
Aargau: keine kantonale Lösung,
verschiedene lokale First Responder Gruppen
Appenzell
IR:
https://www.alpinerettung.ch 
Appenzell
AR:
https://www.alpinerettung.ch
Bern: https://www.firstresponder.be/de/ 
Basel-Stadt: https://www.stiftung-ersthelfer.ch/kurse/ 
Basel-Landschaft: https://www.stiftung-ersthelfer.ch/kurse/ 
Fribourg: https://www.fr-plus.ch/ oder
https://fondation-first-responders.ch/de
Genf: https://www.save-a-life.ch/ 
Glarus: keine kantonale Lösung, lokale
Lösung in Braunwald 
Graubünden: https://www.alpinerettung.ch
Jura: https://fondation-first-responders.ch/de 
Luzern: https://firstresponderzentralschweiz.ch/ 
Neuchâtel: keine kantonale Lösung
Nidwalden: https://firstresponderzentralschweiz.ch/ 
Obwalden: https://firstresponderzentralschweiz.ch/
oder https://herz-obwalden.ch/ 
St.
Gallen:
https://rettung-sg.ch/index.php?id=22 
Schaffhausen: keine kantonale Lösung,
verschiedene lokale First Responder Gruppen
Solothurn: https://www.first-responder-solothurn.ch/
oder https://www.stiftung-ersthelfer.ch/ 
Schwyz: keine kantonale Lösung,
Übersicht über lokale Gruppen unter
https://www.sz.ch/public/upload/assets/57602/211123_karte_first_responder.pdf?fp=1 
Thurgau: keine kantonale Lösung, lokale
Lösungen unter
https://144.tg.ch/organisationen/first-responder-dienste.html/5154 
Tessin: https://www.ticinocuore.ch/it/first-responder 
Uri: https://firstresponderzentralschweiz.ch/ 
Waadt: https://fondation-first-responders.ch/de
Wallis: https://www.coeurwallis.ch/
oder https://www.ocvs.ch/de/ 
Zug: keine kantonale Lösung, First
Responder Gruppen teilweise in Feuerwehren
Zürich: keine kantonale Lösung,
Polizei als First Responder
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Übrigens: Mit CH Responder gibt es inzwischen eine nationale App für Schweizer First Responder. Noch sind nicht alle Kantone dabei, eine nationale Lösung würde aber auf jeden Fall eine Menge Vorteile bieten.

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